Blaualgen können in Seen, Weihern und langsam fliessenden Gewässern auftreten. Für Hunde sind sie besonders gefährlich, weil einige Arten hochwirksame Giftstoffe bilden, die beim Trinken, Schwimmen oder Ablecken des Fells aufgenommen werden können. Bei einem möglichen Kontakt ist rasches Handeln gefragt, denn eine Blaualgenvergiftung kann schnell lebensbedrohlich werden.
Blaualgen sind trotz ihres Namens keine echten Algen, sondern sogenannte Cyanobakterien. Sie kommen natürlicherweise in Gewässern vor und sind in Schweizer Seen und Fliessgewässern das ganze Jahr über vorhanden. Die meisten Vorkommen sind unproblematisch. Einige Arten können jedoch Cyanotoxine bilden, die je nach Art insbesondere Leber, Nieren oder Nervensystem schädigen. Ob eine Ansammlung Giftstoffe enthält, lässt sich mit blossem Auge nicht feststellen.
Vermehren sich Cyanobakterien stark, spricht man von einer Blaualgenblüte. Solche Massenvorkommen werden besonders durch warmes, nährstoffreiches und wenig bewegtes Wasser begünstigt. Sie können in stehenden Gewässern wie z.B. Seen und Weihern, aber auch in aufgestauten Flussabschnitten und strömungsarmen Uferbereichen auftreten. Wind kann die Organismen an einzelne Uferzonen treiben und dort stark konzentrieren.
Das Risiko ist im warmen Halbjahr meist höher. Da sich einzelne Arten jedoch auch bei niedrigen Temperaturen entwickeln können, sollte auffällig verfärbtes Wasser zu jeder Jahreszeit gemieden werden.
Blaualgen können sehr unterschiedlich aussehen. Mögliche Hinweise sind grüne, blaugrüne, bräunliche oder rötliche Verfärbungen, Schlieren, wolkenartige Ansammlungen oder Flocken im Wasser. Auch Schaum, teppichartige Beläge, ein schmieriger Film auf der Wasseroberfläche, auffällige Ansammlungen am Ufer oder stark getrübtes Wasser können auf ein Massenvorkommen hindeuten.
Manche Ansammlungen erinnern an verschüttete Farbe, Erbsensuppe oder feinen Blütenstaub auf dem Wasser. Allerdings stammt nicht jede Verfärbung von Blaualgen, und nicht jede Blaualgenblüte bildet Giftstoffe. Problematische Vorkommen können sich zudem unterhalb der Wasseroberfläche befinden. Eine sichere Beurteilung ist mit blossem Auge nicht möglich: Auch eine unauffällige Wasseroberfläche schliesst Cyanobakterien nicht aus, und ob vorhandene Blaualgen Giftstoffe bilden, ist von Auge nicht erkennbar.
Informieren Sie sich vor einem Ausflug über aktuelle Meldungen der Gemeinden oder Kantone und beachten Sie Warnschilder sowie Badeverbote. Da nicht jedes Gewässer laufend untersucht wird und sich Blaualgenansammlungen innerhalb kurzer Zeit verändern oder verlagern können, ist eine fehlende Warnung jedoch keine Garantie dafür, dass das Wasser unbedenklich ist.
Lassen Sie Ihren Hund nicht in trübem, verfärbtem oder anderweitig auffälligem Wasser schwimmen, spielen oder trinken. Halten Sie ihn auch von Schlieren, Algenteppichen, angeschwemmtem Material und verendeten Tieren am Ufer fern. In der Nähe einer verdächtigen Wasserstelle sollte der Hund an der Leine geführt werden. Suchen Sie im Zweifel eine andere Möglichkeit zum Baden oder Abkühlen.
Nehmen Sie auf Spaziergänge ausreichend frisches Trinkwasser mit und bieten Sie es Ihrem Hund regelmässig an. So verringern Sie die Wahrscheinlichkeit, dass er aus einem unbekannten Gewässer oder einer Pfütze trinkt.
Hunde können die Giftstoffe beim Trinken, durch verschlucktes Wasser beim Schwimmen oder Apportieren, durch das Fressen von Algenmaterial sowie beim Ablecken von Fell und Pfoten aufnehmen. Besonders gefährlich können konzentrierte Schlieren, Algenteppiche und Ablagerungen am Ufer sein.
Mögliche erste Anzeichen einer Vergiftung sind starkes Speicheln oder Schäumen sowie Erbrechen und Durchfall. Auch Schwäche, Teilnahmslosigkeit, ein unsicherer Gang, Koordinationsstörungen, Muskelzittern, Zuckungen, Krämpfe oder Lähmungserscheinungen können auftreten. Atemprobleme, Bewusstseinsstörungen oder ein Kreislaufzusammenbruch sind akute Notfälle. Dunkler oder blutiger Urin sowie gelblich verfärbte Schleimhäute können auf eine Schädigung innerer Organe hinweisen.
Welche Beschwerden auftreten, hängt vom jeweiligen Giftstoff, der aufgenommenen Menge und dem Aufnahmeweg ab. Erste Symptome können bereits innerhalb weniger Minuten auftreten und sich rasch verschlimmern. Hinweise auf eine Leberschädigung können sich teilweise auch zeitlich verzögert zeigen.
Holen Sie Ihren Hund sofort aus dem Wasser und halten Sie ihn von Ablagerungen oder angeschwemmtem Material am Ufer fern. Verhindern Sie möglichst, dass er Pfoten oder Fell ableckt, und spülen Sie beides rasch und gründlich mit sauberem Wasser, idealerweise Leitungswasser, ab.
Warten Sie bei einem konkreten Verdacht nicht auf Symptome, sondern kontaktieren Sie umgehend eine Tierarztpraxis oder Tierklinik. Informieren Sie das tierärztliche Fachpersonal über den möglichen Blaualgenkontakt sowie über Zeitpunkt, Ort und vermuteten Aufnahmeweg. Lösen Sie kein Erbrechen aus und geben Sie keine Hausmittel, sofern dies nicht ausdrücklich tierärztlich angeordnet wurde.
Melden Sie auffällige Verfärbungen, Algenteppiche oder verendete Tiere der zuständigen Gemeinde oder kantonalen Fachstelle. So kann die Situation fachlich beurteilt und können weitere Wasserbesucher:innen frühzeitig gewarnt werden.
Zusätzlich können Warnungen in Community-Apps und sozialen Netzwerken andere Hundehalter:innen auf lokale Gefahren aufmerksam machen. In der Animundo-App lassen sich beispielsweise Beobachtungen zu Blaualgen, Giftködern, Scherben und weiteren Risiken direkt vor Ort erfassen und in Echtzeit teilen.
Gemeinsame Spaziergänge durch Wald und Wiesen, ein Ausflug in die Berge, Kontakte zu anderen Hunden oder eine Abkühlung am Wasser gehören für viele Hunde zu einem abwechslungsreichen und erfüllten Alltag. Entscheidend ist nicht, jede mögliche Gefahr zu vermeiden, sondern Risiken einschätzen zu können. Mit etwas Wissen und Aufmerksamkeit lässt sich der Alltag mit Hund gerade deshalb unbeschwert geniessen.