Schweizerisches Hundestammbuch SHSB

Ein wichtiges Instrument der Rassehundezucht

Seit über 140 Jahren dokumentiert das Schweizerische Hundestammbuch SHSB die Abstammung von Rassehunden in der Schweiz. Mit über einer Million Einträgen ist es heute weit mehr als ein historisches Verzeichnis: Es schafft Transparenz, liefert wertvolle Informationen für die Zuchtplanung und unterstützt eine kontrollierte und verantwortungsvolle Rassehundezucht.

Im Februar 1884 wurde das Schweizerische Hundestammbuch von der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft SKG eröffnet. Den ersten Eintrag erhielt der Bernhardiner «Léon» vom Hospiz auf dem Grossen St. Bernhard – mit der Stammbuchnummer 1 im ersten Band.

Auch die folgenden 28 Einträge betrafen Bernhardiner. Dazu gehörte die Bernhardinerhündin «Bernice», die unter der Nummer 9 registriert wurde. Ihr historischer Stammbaum ist bis heute erhalten. Mehr als 130 Jahre später wurde sie zudem zur Namensgeberin einer Skulptur des Schweizer Künstlers Walter Wegmüller, die der Stiftung Hund Schweiz als Maskottchen dient und heute im Kompetenzzentrum Hund Schweiz ausgestellt ist.

Aus den ersten Einträgen ist ein umfangreiches Register entstanden. Das SHSB ist längst kein verstaubtes Archiv mehr: Als digitale Datenbank macht es Abstammungs- und Zuchtinformationen langfristig nachvollziehbar und nutzbar.

Das SHSB gibt es nach wie vor auch in gedruckter Form.
Skulptur "Bernice" von Künstler Walter Wegmüller.

Was wird im Schweizerischen Hundestammbuch erfasst?

Das Schweizerische Hundestammbuch SHSB ist das von der SKG geführte, international anerkannte Register für Rassehunde in der Schweiz. Es enthält Angaben zur Abstammung sowie zu Name, Rasse, Wurfdatum, Geschlecht sowie Informationen über Züchter und Besitzer. Je nach Hund kommen zuchtrelevante Informationen hinzu, etwa Vermerke zur Zuchtzulassung, Gesundheitsbefunde, Champion-Titel und Arbeitsprüfungen.

Eingetragen werden Welpen aus Zuchtstätten, die den SKG-Zuchtvorschriften unterstehen, sowie importierte Hunde mit den erforderlichen FCI-anerkannten Abstammungs- und Exportdokumenten. Diese Einträge bilden die Grundlage für die Ausstellung der SKG-Abstammungsurkunden.

Das SHSB gliedert sich in einen Hauptteil und einen Anhang:

Hier werden Rassehunde eingetragen, deren Abstammung durch anerkannte Unterlagen lückenlos nachgewiesen werden kann und den Bestimmungen der Fédération Cynologique Internationale FCI entspricht. Ihre Eltern und weiteren Vorfahren sind dokumentiert, sodass Herkunft und Verwandtschaftsverhältnisse über mehrere Generationen nachvollziehbar bleiben.

Hier werden unter bestimmten Voraussetzungen beispielsweise Hunde national oder vorläufig FCI-anerkannter Rassen, Hunde mit unvollständigen Abstammungsunterlagen sowie Hunde nach einer erfolgreichen Phänotypisierung* registriert. Auch Hunde aus genehmigten Zuchtversuchen können aufgenommen werden.

*Phänotypisierung:
Bei einer Phänotypisierung prüfen Fachpersonen anhand des Erscheinungsbildes und Verhaltens, ob ein Hund ohne anerkannte Abstammungsurkunde den Merkmalen einer bestimmten Rasse entspricht. Ziel ist es, unter bestimmten Voraussetzungen die Zuchtbasis einer Rasse zu erweitern und so ihre Gesunderhaltung zu fördern.

Warum ist das SHSB so wichtig?

Die dokumentierten Stammbäume helfen, Verwandtschaftsverhältnisse bei geplanten Verpaarungen zu berücksichtigen und beispielsweise den abstammungsbasierten Inzuchtkoeffizienten zu berechnen. Ergänzende genetische Untersuchungen können weitere Erkenntnisse über die genetische Vielfalt liefern.

Zur verantwortungsvollen Zucht gehören ausserdem Gesundheit, Verhalten und rassetypische Eigenschaften der Elterntiere. Die SKG-Zuchtbestimmungen verlangen deshalb vor dem Zuchteinsatz eine entsprechende Zulassungsprüfung. Dazu zählen je nach Rasse Gesundheitsuntersuchungen, Verhaltensbeurteilungen und Beurteilungen des Erscheinungsbildes.

Für zukünftige Hundehalter:innen ist eine SKG-Abstammungsurkunde ein wichtiges Orientierungsmittel: Sie dokumentiert die Herkunft des Hundes innerhalb eines anerkannten Zuchtsystems. Zum SKG-Zuchtwesen gehören ausserdem reglementierte Kontrollen von Zuchtstätten, Würfen und Aufzuchtbedingungen. Ein genetischer Vergleich der DNA-Profile von Welpen und Elterntieren kann die angegebene Abstammung zusätzlich überprüfen.

Das SHSB trägt damit dazu bei, die kontrollierte Rassehundezucht von unkontrollierter Vermehrung abzugrenzen. Gerade angesichts des problematischen und teilweise illegalen Welpenhandels ist die Nachvollziehbarkeit der Herkunft von Bedeutung.

Eine Eintragung im SHSB oder seinem Anhang ist eine Voraussetzung für die Teilnahme an einer Zuchtzulassungsprüfung der SKG. Auch für Ausstellungen und die Vergabe von Titeln spielt die registrierte Abstammung eine wichtige Rolle. Für ein internationales FCI-Championat gelten zusätzliche Voraussetzungen: Unter anderem muss die Rasse von der FCI endgültig anerkannt und der Hund in einem FCI-anerkannten Hauptzuchtbuch eingetragen sein. Im Hundesport unterscheiden sich die Zulassungsbedingungen je nach Disziplin; zahlreiche offizielle Prüfungen und Wettkämpfe stehen auch Hunden ohne SHSB-Nummer offen.

Ein wichtiges Instrument für die Zukunft

Das SHSB verbindet die Geschichte der Schweizer Rassehundezucht mit den Anforderungen von heute. Indem es wichtige Informationen dauerhaft dokumentiert und zugänglich macht, unterstützt es fundierte Zuchtentscheidungen und die verantwortungsvolle Erhaltung und Weiterentwicklung der Rassen.