Ein See oder eine ruhige Uferzone am Fluss wirken an warmen Tagen ebenso verlockend wie ein kleiner Weiher oder eine Pfütze am Wegrand. Viele Hunde nutzen jede Gelegenheit, um sich abzukühlen, zu planschen oder ihren Durst zu stillen. Doch stehende und langsam fliessende Gewässer können auch gesundheitliche Risiken bergen.
Natürlich ist nicht jedes stehende Gewässer gefährlich. Die Wasserqualität kann sich jedoch je nach Temperatur, Nährstoffgehalt, Wasserstand und Verunreinigung rasch verändern. Krankheitserreger oder Giftstoffe sind zudem nicht immer sichtbar. Deshalb lohnt es sich, die Wasserstelle und ihre Umgebung vor dem Baden genau zu prüfen.
Zu den stehenden oder nur wenig bewegten Gewässern gehören Tümpel, Teiche, Weiher und kleinere Seen ebenso wie Rückhaltebecken, Altarme, aufgestaute Flussabschnitte und Uferzonen mit sehr geringer Strömung. Auch grössere Pfützen, länger bestehende Wasseransammlungen, Viehtränken und offene Wasserbehälter können betroffen sein.
In solchen Gewässern findet nur ein geringer Wasseraustausch statt. Wärme, Sonnenlicht und ein hoher Nährstoffgehalt können das Wachstum von Mikroorganismen begünstigen. Ausscheidungen von Wildtieren, Nutztieren oder Wasservögeln sowie Abwasser, landwirtschaftliche Einträge und Abfälle können zusätzlich Krankheitserreger oder Schadstoffe ins Wasser eintragen. Besondere Vorsicht ist bei kleinen, flachen und warmen Wasserstellen geboten, da sich Belastungen dort leichter anreichern können.
Stehende und langsam fliessende Gewässer können mit Giftstoffen, Bakterien, Parasiten oder Fäkalkeimen belastet sein. Für Hunde sind insbesondere Blaualgen, Leptospiren und Giardien relevant.
Blaualgen sind Cyanobakterien. Einige Arten können Giftstoffe bilden, die unter anderem die Leber oder das Nervensystem schädigen. Hunde können diese Stoffe beim Trinken, Schwimmen oder später beim Ablecken des Fells aufnehmen. Eine Blaualgenvergiftung ist ein Notfall und kann innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden.
Leptospiren sind Bakterien, die von infizierten Tieren über den Urin ausgeschieden werden und in feuchter Umgebung sowie verunreinigtem Wasser überleben können. Sie gelangen beim Trinken oder über Schleimhäute und kleine Hautverletzungen in den Körper. Eine Leptospirose kann insbesondere Nieren und Leber schwer schädigen und ist auch auf Menschen übertragbar.
Giardien sind einzellige Darmparasiten, deren infektiöse Stadien über den Kot in die Umwelt gelangen. Hunde können sie unter anderem durch fäkal verunreinigtes Wasser aufnehmen. Eine Infektion kann wiederkehrenden, schleimigen oder wässrigen Durchfall verursachen. Über Ausscheidungen können zudem weitere Krankheitserreger in kleine Wasserstellen gelangen.
Verlassen Sie sich nicht auf ein einzelnes Merkmal, sondern beurteilen Sie immer das Gesamtbild der Wasserstelle und ihrer Umgebung.
Trübes oder stark verfärbtes Wasser, Schlieren, Flocken, schmierige Filme, Schaum oder teppichartige Beläge können auf eine Belastung hinweisen.
Achtung: Blaualgen sind nicht immer mit blossem Auge erkennbar – auch unauffällig wirkendes Wasser kann belastet sein.
Auffällige Ablagerungen, ein fauliger oder ungewöhnlich intensiver Geruch, sichtbare tierische Ausscheidungen sowie tote Fische, Amphibien oder Wasservögel sind Gründe, den Hund vom Wasser fernzuhalten.
Besondere Vorsicht ist bei sehr niedrigem Wasserstand sowie bei warmem, flachem und kaum bewegtem Wasser geboten. Beachten Sie ausserdem stets offizielle Warnschilder und Badeverbote.
Prüfen Sie aktuelle Meldungen oder Badeverbote. Auch Hinweise anderer Hundehalter:innen in Community-Apps können auf lokale Gefahren aufmerksam machen. Nehmen Sie ausreichend frisches Trinkwasser für Ihren Hund mit.
Beachten Sie Warnschilder und Badeverbote. Lassen Sie Ihren Hund nicht aus unbekannten Wasserstellen trinken und meiden Sie auffällige oder verdächtige Bereiche. Halten Sie ihn insbesondere von Belägen, Schlieren und angeschwemmtem Material fern.
Ist Ihr Hund mit möglicherweise belastetem Wasser in Berührung gekommen, spülen Sie Fell und Pfoten gründlich mit sauberem Leitungswasser ab. Verhindern Sie möglichst, dass er sein nasses Fell ableckt.
Lassen Sie den Impfschutz gegen Leptospirose regelmässig durch Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt überprüfen.
Auffällige Wasserstellen sollten gemeldet werden, damit weitere Tiere und Menschen geschützt werden können. Fotografieren Sie Verfärbungen oder Ansammlungen möglichst aus sicherer Entfernung und notieren Sie den genauen Standort. Informieren Sie die zuständige Stelle auch, wenn Sie tote Fische oder andere verendete Tiere am oder im Wasser entdecken.
Je nach Standort können Sie sich an die zuständige Gemeinde, eine kantonale Fachstelle für Gewässer- oder Umweltschutz, das Veterinär- oder Gesundheitsamt oder die Betreiber:innen einer offiziellen Badestelle wenden.
Die Kantone kontrollieren während der Badesaison ausgewählte, stark frequentierte Badestellen. Im Fokus steht häufig die Belastung mit Fäkalkeimen; Blaualgen sind nicht zwingend Teil der Routinekontrollen. Da sie lokal auftreten und sich rasch verlagern können, lassen sich die meisten Gewässer nicht flächendeckend überwachen.
Warnungen in Community-Apps und sozialen Netzwerken können andere Hundehalter:innen frühzeitig auf lokale Gefahren aufmerksam machen. In der Animundo-App lassen sich beispielsweise Beobachtungen zu Blaualgen, Giftködern, Scherben und weiteren Risiken direkt vor Ort erfassen und in Echtzeit teilen.
Gemeinsame Spaziergänge durch Wald und Wiesen, ein Ausflug in die Berge, Kontakte zu anderen Hunden oder eine Abkühlung am Wasser gehören für viele Hunde zu einem abwechslungsreichen und erfüllten Alltag. Entscheidend ist nicht, jede mögliche Gefahr zu vermeiden, sondern Risiken einschätzen zu können. Mit etwas Wissen und Aufmerksamkeit lässt sich der Alltag mit Hund gerade deshalb unbeschwert geniessen.