Ein Stück Wurst im Gebüsch, Futterreste am Wegrand oder ein vermeintlicher Leckerbissen im Gras: Für viele Hunde sind solche Funde ausgesprochen verlockend. In seltenen Fällen können Lebensmittel jedoch gezielt mit giftigen Substanzen oder gefährlichen Gegenständen präpariert worden sein. Wer seinen Hund aufmerksam begleitet und das Liegenlassen gezielt trainiert, kann dazu beitragen, dass Gefundenes gar nicht erst im Maul landet.
Unter (Gift-)Ködern verstehen wir in diesem Artikel Lebensmittel oder andere für Hunde attraktive Köder, die absichtlich mit giftigen Substanzen oder gefährlichen Fremdkörpern präpariert wurden.
Nicht jeder verdächtige Fund ist jedoch ein absichtlich ausgelegter Köder. Auch weggeworfene oder vergessene Lebensmittel sowie verdorbene Essensreste finden sich unterwegs immer wieder und können für Hunde gesundheitlich problematisch sein. Auch ein solcher Fund sollte deshalb ernst genommen werden, ohne automatisch von einer gezielten Präparierung auszugehen.
Welche Folgen die Aufnahme eines präparierten Köders hat, hängt davon ab, was darin enthalten ist. Giftige Substanzen wie Ratten- oder Mäusegift, Schneckenkorn, Insektizide oder Medikamente können je nach Wirkstoff unterschiedliche Organe und Körperfunktionen beeinträchtigen – etwa den Magen-Darm-Trakt, das Nervensystem, den Kreislauf oder die Blutgerinnung.
Doch nicht nur absichtlich präparierte Köder können problematisch sein. Auch verdorbene oder verschimmelte Lebensmittel können gesundheitsschädliche Stoffe enthalten. Bestimmte Schimmelpilze können Giftstoffe bilden und dadurch unter anderem neurologische Beschwerden hervorrufen.
Enthält ein Köder scharfe oder spitze Fremdkörper wie Nägel, Klingen oder Glasscherben, können Verletzungen im Maul, in der Speiseröhre oder im Magen-Darm-Trakt die Folge sein. Auch innere Verletzungen sind möglich.
Ob ein Futterstück präpariert oder anderweitig gesundheitsschädlich ist, lässt sich von aussen meist nicht zuverlässig erkennen.
Ein gut aufgebautes Liegenlassen-Training kann dazu beitragen, dass Ihr Hund Fressbares nicht sofort aufnimmt, sondern lernt, sich davon abzuwenden und sich stattdessen an Ihnen zu orientieren. Beginnen Sie in einer ruhigen Umgebung zu Hause und steigern Sie die Schwierigkeit schrittweise.
1. Futter abdecken
Legen Sie ein Leckerli auf den Boden und decken Sie es vollständig mit Ihrer Hand ab. Ihr Hund soll wahrnehmen, dass sich dort Futter befindet, kann es aber nicht aufnehmen. Bleiben Sie ruhig und geben Sie ihm einen Moment Zeit, sich mit der Situation auseinanderzusetzen.
2. Abwenden abwarten
Warten Sie, bis Ihr Hund sich für einen kurzen Moment vom abgedeckten Futter abwendet – beispielsweise indem er den Kopf wegdreht, den Blick löst oder sich Ihnen zuwendet. Fordern Sie dieses Verhalten zunächst nicht aktiv ein. Ihr Hund soll selbst entdecken, dass es sich lohnt, vom Futter abzulassen.
3. Sofort belohnen
Sobald sich Ihr Hund vom Futter abwendet, belohnen Sie ihn unmittelbar mit einem besonders attraktiven Leckerli aus der anderen Hand. Das Futterstück auf dem Boden bleibt dabei liegen. So lernt Ihr Hund nach und nach: Sich vom Fund abzuwenden lohnt sich.
Wiederholen Sie diese Schritte mehrmals, bis Ihr Hund zunehmend schneller vom abgedeckten Futter ablässt. Das ausgelegte Futter dient dabei als Trainingsreiz und wird nicht zur Belohnung freigegeben. Die Belohnung kommt aus Ihrer Hand.
4. Futter aufdecken
Nun wird die Aufgabe etwas schwieriger. Heben Sie Ihre Hand zunächst nur für einen kurzen Moment an, sodass das Leckerli auf dem Boden für Ihren Hund sichtbar wird. Bleiben Sie dabei dicht genug am Futter, um es jederzeit wieder abdecken zu können.
5. Abwenden belohnen
Wendet sich Ihr Hund auch vom offen sichtbaren Futter ab, belohnen Sie ihn sofort wieder aus Ihrer anderen Hand. Mit zunehmender Übung können Sie das Futter etwas länger offen liegen lassen.
6. Will er zugreifen?
Versucht Ihr Hund, das Leckerli zu nehmen, decken Sie es ruhig wieder mit der Hand ab. Schimpfen oder korrigieren Sie ihn nicht. Machen Sie die Übung beim nächsten Versuch etwas leichter, indem Sie die Hand nur sehr kurz anheben.
Ziel ist nicht, Ihren Hund möglichst stark auf die Probe zu stellen. Viele kleine, erfolgreiche Wiederholungen helfen ihm, das gewünschte Verhalten zu festigen.
7. Üben Sie im Stehen
Funktioniert die Übung am Boden zuverlässig, wechseln Sie ins Stehen. Sichern Sie Ihren Hund zunächst mit einer Leine und legen Sie wieder ein Futterstück auf den Boden. Falls nötig, können Sie es mit Ihrem Fuss abdecken. Belohnen Sie weiterhin das Abwenden und die Orientierung an Ihnen.
8. Üben Sie das Vorbeigehen
Führen Sie Ihren angeleinten Hund mit genügend Abstand am ausgelegten Futter vorbei. Wählen Sie die Distanz zunächst so gross, dass Ihr Hund das Futter zwar wahrnimmt, sich aber noch gut davon lösen kann. Orientiert er sich an Ihnen und lässt das Futter liegen, wird er belohnt.
Mit zunehmender Sicherheit können Sie den Abstand schrittweise verkleinern. Wird das Futter wieder zu interessant, vergrössern Sie die Distanz und vereinfachen Sie die Situation.
9. Üben Sie an neuen Orten
Klappt das Liegenlassen zu Hause zuverlässig, übertragen Sie die Übung nach und nach auf andere Situationen. Beginnen Sie draussen an einem ruhigen Ort mit wenig Ablenkung, bevor Sie schwierigere Umgebungen wählen.
Dass eine Übung zu Hause gut funktioniert, bedeutet nicht automatisch, dass sie auch draussen unter Ablenkung bereits zuverlässig gelingt. Geben Sie Ihrem Hund deshalb Zeit, das Gelernte schrittweise auf unterschiedliche Situationen zu übertragen.
Wichtig: Steigern Sie immer nur einzelne Anforderungen – beispielsweise die Attraktivität des Futters, die Dauer, den Abstand oder die Ablenkung der Umgebung. Hat Ihr Hund Mühe, vereinfachen Sie die Situation wieder.
Hat der Hund bereits etwas im Maul, versuchen viele Menschen intuitiv, es möglichst schnell herauszunehmen. Das kann jedoch dazu führen, dass der Hund seinen Fund hastig herunterschluckt oder versucht, damit auszuweichen. Sinnvoll ist deshalb, bereits im Alltag ein ruhiges und zuverlässiges Ausgeben oder Tauschen zu trainieren. Der Hund lernt dabei, einen Gegenstand freiwillig abzugeben und dafür etwas Attraktives zu erhalten.
Auch ein zuverlässiges Abbruch- oder Rückrufsignal kann helfen, den Hund von einem interessanten Fund wegzuführen. Nimmt ein Hund unterwegs besonders häufig Fressbares auf oder möchten Sie das Training gezielt vertiefen, kann zudem ein professionell angeleiteter Anti-Köder-Kurs sinnvoll sein.
Für Hunde, die sehr schnell Fressbares aufnehmen oder bei denen das Training noch nicht ausreichend gefestigt ist, kann ein geeigneter Maulkorb mit Fressschutz zusätzliche Sicherheit bieten. Er muss gut passen und dem Hund ausreichend Raum zum Hecheln lassen. An das Tragen sollte der Hund schrittweise und positiv gewöhnt werden. Ein Fressschutz ersetzt das Training nicht, kann es aber während des Trainingsaufbaus oder bei konkreten Warnmeldungen sinnvoll ergänzen.
Nach der Aufnahme eines verdächtigen Fundes können die Beschwerden unterschiedlich ausfallen. Achten Sie etwa auf starkes Speicheln, Erbrechen oder Durchfall, ungewöhnliche Unruhe oder Teilnahmslosigkeit sowie Zittern oder einen unsicheren Gang. Je nach Ursache sind auch Schmerzen, Schluckbeschwerden, Atemprobleme, Krämpfe oder Blut im Erbrochenen beziehungsweise Kot möglich. Die Anzeichen können sich sofort oder erst mit Verzögerung zeigen.
Wenn Sie gesehen haben oder vermuten, dass Ihr Hund einen präparierten Köder oder eine möglicherweise gefährliche Substanz aufgenommen hat, kontaktieren Sie umgehend eine Tierarztpraxis oder Tierklinik – auch wenn er zunächst unauffällig wirkt. Schildern Sie möglichst genau, was, wann und in welcher Menge aufgenommen worden sein könnte.
Reste des Fundes, eine Verpackung oder Erbrochenes können bei der Abklärung helfen. Nehmen Sie solches Material nur mit, wenn dies gefahrlos möglich ist, und vermeiden Sie direkten Kontakt mit unbekannten Substanzen.
Lösen Sie nicht selbst Erbrechen aus und geben Sie weder Aktivkohle noch andere Hausmittel ohne tierärztliche Rücksprache. Was sinnvoll ist, hängt vom aufgenommenen Stoff, vom Zeitpunkt und vom Zustand Ihres Hundes ab.
Entdecken Sie einen verdächtigen Futterfund, halten Sie Ihren Hund und nach Möglichkeit auch andere Tiere davon fern. Fotografieren Sie den Fund und den Standort. Besteht der Verdacht, dass ein Köder absichtlich mit Giftstoffen oder gefährlichen Gegenständen präpariert wurde, sollte die Beobachtung der Polizei beziehungsweise der zuständigen kantonalen Stelle gemeldet werden. Unbekannte Substanzen sollten nicht mit blossen Händen berührt werden.
Warnungen in sozialen Medien oder Apps können helfen, auf mögliche Gefahren aufmerksam zu werden. In der animundo-App können Tierhaltende Gefahren in ihrer Umgebung melden und andere unter anderem vor Giftködern, Scherben, Fallen oder weiteren Risiken warnen. Solange ein Fund nicht behördlich abgeklärt wurde, handelt es sich jedoch zunächst um einen Verdacht.
Nicht jeder Fund am Wegrand ist gefährlich und nicht jeder Spaziergang lässt sich vollständig kontrollieren. Entscheidend ist vielmehr, den eigenen Hund aufmerksam zu begleiten, sinnvolle Verhaltensweisen zu trainieren und im Fall der Fälle zu wissen, wie zu handeln ist. So lässt sich der gemeinsame Alltag draussen weiterhin unbeschwert geniessen.